Wer den Kleiderschrank aufmacht und feststellt, dass mindestens ein Drittel darin seit zwei Jahren unberührt hängt, steht vor einer bekannten Frage: Wohin damit? Second Hand Kleidung online zu verkaufen ist heute einfacher als je zuvor — aber die Wahl des richtigen Kanals entscheidet darüber, ob du am Ende 40 Euro oder 4 Euro für dieselbe Jacke bekommst.
Kleiderschrank ausmisten: Der erste Schritt zum erfolgreichen Verkauf
Bevor eine einzige Anzeige online geht, lohnt es sich, einen klaren Kopf zu behalten. Wer beim Kleiderschrank ausmisten nach dem Prinzip „eines raus, eines rein" vorgeht, landet schnell wieder beim Status quo. Hilfreicher ist die Frage: Hätte ich dieses Stück in den letzten zwölf Monaten wirklich angezogen — oder bilde ich mir das nur ein?
Eine ehrliche Bestandsaufnahme in drei Stapeln funktioniert gut: Behalten, Verkaufen, Entsorgen/Spenden. In den „Verkaufen"-Stapel gehört alles, was noch in gutem Zustand ist — also ohne Löcher, Verfärbungen oder ausgeleierten Kragen. Marken machen einen Unterschied: Ein H&M-Shirt aus 2018 bringt online kaum mehr als 2–3 Euro, ein Stück von Arket, COS oder einem kleineren Streetwear-Label dagegen realistisch 15–30 Euro.
Wichtig: gebrauchte Kleider verkaufen funktioniert nur dann gut, wenn die Ware sauber und ehrlich beschrieben ist. Wer Flecken oder Tragezeichen verschweigt, bekommt schlechte Bewertungen — und die schaden nachhaltig. Kurz auffrischen, einmal waschen, Knitterfalten ausbügeln: Das dauert 20 Minuten und macht im Vergleichsfoto einen deutlichen Unterschied.
Wer regelmäßig ausmisten will, statt einmal pro Jahr in Panik zu geraten, profitiert von einem simplen System: Box im Schrank, die läuft voll, wird verkauft. Kein Horten, kein Schuldgefühl, kein Kleidungsstück, das jahrelang auf seinen zweiten Frühling wartet.
Second Hand Kleidung verkaufen online: Marktplätze vs. Ankaufsportale
Beim Thema Second Hand Kleidung online verkaufen teilt sich der Markt grob in zwei Modelle — und beide haben ihre Daseinsberechtigung, je nachdem, was dir wichtiger ist: Zeit oder Ertrag.
Marktplätze wie Vinted, eBay Kleinanzeigen oder Depop funktionieren nach dem Prinzip der Direktvermarktung. Du stellst ein, du legst den Preis fest, du kommunizierst mit Käuferinnen und Käufern, du verschickst selbst. Dafür gehört der Erlös — abzüglich kleiner Transaktionsgebühren — fast vollständig dir. Vinted beispielsweise erhebt keine Verkäuferprovision; die Käuferseite trägt eine Schutzgebühr. Das macht Vinted besonders attraktiv für diejenigen, die konsequent gebraucht Kleider verkaufen und dabei den maximalen Betrag behalten wollen.
Ankaufsportale wie Momox Fashion oder Sellpy funktionieren anders: Du schickst deine Kleidung ein, das Portal prüft, fotografiert, beschreibt und verkauft. Du bekommst entweder einen Fixbetrag nach Prüfung (Momox) oder eine Provision nach erfolgreichem Verkauf (Sellpy). Das spart enorm viel Zeit — aber der Preis dafür ist real. Sellpy behält rund 40–60 % des Verkaufserlöses, je nach Kategorie und Preisniveau. Momox bietet Fixankaufspreise, die oft noch niedriger liegen.
Die Entscheidung ist also keine Frage von Gut oder Schlecht, sondern von Aufwand gegen Ertrag. Wer einen Abend mit Fotografieren und Beschreiben verbringen kann und will, fährt mit Vinted besser. Wer einen vollen Karton loswerden will und dafür weniger Geld akzeptiert, greift zum Einschicken.
Vinted, eBay & Co.: Maximale Gewinne auf Marktplätzen erzielen
Wer wissen will, wo man gebrauchte Kleidung verkaufen kann und dabei möglichst viel einstreichen will, landet früher oder später bei Vinted. Die Plattform ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz die unangefochtene Nummer eins im C2C-Kleidungsmarkt. Die Nutzerbasis ist groß, die Suche ist kategorisiert, und der Einstieg ist niedrigschwellig: kostenloser Account, Foto hochladen, Preis eingeben, fertig.
Trotzdem gibt es deutliche Unterschiede zwischen Anzeigen, die schnell verkauft werden, und solchen, die Monate lang stehen bleiben. Einige Faktoren, die wirklich den Unterschied machen:
Fotos. Natürliches Tageslicht, neutraler Hintergrund, mindestens ein Foto am Körper oder auf einem Bügel von vorne und hinten. Schlechte Beleuchtung ist der häufigste Grund, warum Käuferinnen und Käufer weiterscrollen.
Titel und Beschreibung. „Jeans blau" ist zu wenig. „Levi’s 501 Straight Leg, Größe 28/30, kaum getragen, keine Mängel" ist deutlich besser — weil die meisten Suchanfragen genau solche Details enthalten. Wer weiß, dass ein Schnitt als Regular Fit bezeichnet wird, sollte das auch so schreiben: Viele Suchenden filtern nach Passform, und die richtige Bezeichnung erhöht die Sichtbarkeit messbar. Was bedeutet der Begriff Regular Fit? erklärt, welche Passformen gemeint sind und wie man sie korrekt benennt.
Preissetzung. Schau dir an, was vergleichbare Stücke auf Vinted aktuell kosten — nicht was andere fordern, sondern was tatsächlich verkauft wurde. Vinted zeigt verkaufte Artikel in der Suchhistorie. Realistisch einpreisen schlägt optimistisch einpreisen in fast allen Fällen.
Reaktionszeit. Wer Fragen innerhalb weniger Stunden beantwortet, verkauft schneller. Verzögerungen bedeuten oft, dass Interessierte weitergehen.
eBay Kleinanzeigen (jetzt Kleinanzeigen.de) ist eine Alternative, vor allem für teurere Einzelstücke oder lokale Abholung. Wer Klamotten schnell verkaufen will, ohne Porto zu kalkulieren, findet dort noch immer aktive Käuferinnen und Käufer — besonders für Vintage-Stücke, Designerware und Kinderbekleidung.
Bequemlichkeit siegt: Kleidung online verkaufen über Ankaufsdienste
Nicht jede Person hat Zeit oder Lust, Fotos zu machen, Beschreibungen zu tippen und Pakete zu packen. Für diesen Fall sind Ankaufsdienste gemacht — und es ist keine Schande, sie zu nutzen. Kleidung über einen Online-Ankauf zu verkaufen heißt: einen Karton füllen, einsenden, Geld bekommen. Der Aufwand endet beim Klebeband.
Die bekanntesten Dienste im deutschsprachigen Raum:
Momox Fashion (momoxfashion.com): Du scannst oder gibst den Artikel ein, bekommst ein Sofortangebot, schickst ein — kostenloser Versand ab einem Mindestwarenwert. Momox legt Wert auf Marken; No-Name-Artikel werden häufig abgelehnt oder mit Centbeträgen bewertet. Stärken liegen bei gängigen Marken wie Zara, Mango, Marc O’Polo oder Adidas.
Sellpy (sellpy.de): Der schwedische Dienst übernimmt den kompletten Verkaufsprozess — inklusive Fotografie, Beschreibung und Kundenservice. Du schickst ein, Sellpy verkauft, du bekommst 40–60 % des Erlöses. Wer einen größeren Kleiderschrank ausmisten will und dabei möglichst wenig selbst tun möchte, ist bei Sellpy gut aufgehoben. Der Vorteil liegt im vollständig ausgelagerten Prozess; der Nachteil im deutlich niedrigeren Auszahlungsbetrag im Vergleich zum Direktverkauf.
Buddy & Selly (buddyandselly.com): Eher auf den Deutschen Markt zugeschnitten, ähnliches Modell wie Sellpy mit Kommissionsverkauf.
Ein Wort zur Erwartungshaltung: Wer ein gutes Markenstück für 80 Euro gekauft hat und es über Momox einschickt, bekommt dafür vielleicht 6–12 Euro. Das ist kein Fehler im System — das ist das Geschäftsmodell. Ankaufsportale müssen Lager, Personal, Fotostudio und Marketing finanzieren. Wer das weiß, ist nicht enttäuscht, sondern trifft eine informierte Entscheidung.
Sellpy behält je nach Produktkategorie 40–60 % des Verkaufserlöses. Momox bietet Fixankaufspreise, die oft bei 10–20 % des ursprünglichen Kaufpreises liegen. Auf Vinted verbleiben dem Verkäufer 100 % des eingestellten Preises — die Käuferseite zahlt eine Schutzgebühr von rund 5 % plus 0,70 Euro.
Profi-Tipps: So wird deine gebrauchte Kleidung online zum Bestseller
Wer Second Hand Kleidung regelmäßig online verkauft, entwickelt mit der Zeit ein Gespür dafür, was läuft und was nicht. Hier sind die Erkenntnisse, die sich bewährt haben — ohne Buzzwords, ohne Influencer-Taktiken:
Saisonalität nutzen. Winterjacken im Oktober einstellen, Bikinis im April — nicht umgekehrt. Der Markt folgt den Jahreszeiten, auch im Secondhand-Bereich. Wer im März seine Wintermäntel auf Vinted stellt, wartet bis Oktober auf Interessenten.
Größen klar und vollständig angeben. Viele Rückgaben entstehen, weil Größenangaben ungenau waren. Gib sowohl die Etikett-Größe als auch Maße an — Brustweite, Taille, Hüfte oder Länge, je nach Stück. Das schützt dich und spart beiden Seiten Zeit. Wer zudem weiß, ob ein Schnitt eher eng oder weit ausfällt, sollte das erwähnen — auch hier zahlt sich ein Blick auf passformspezifische Begriffe aus: Schnittarten und Passformen im Überblick kann beim korrekten Beschriften helfen.
Bundles anbieten. Auf Vinted sind Paketangebote beliebt: Drei T-Shirts für 12 Euro statt einzeln je 5 Euro. Käufer sparen Porto, du verkaufst mehr auf einmal — und entrümpelst schneller.
Bewertungen ernst nehmen. Wer neu auf einer Plattform ist, hat noch keine Bewertungen — das schreckt manche Käufer ab. Frühe Transaktionen sauber abwickeln, gut verpacken, pünktlich versenden: Das baut schnell ein vertrauenswürdiges Profil auf.
Steuerliche Faustregel kennen. Wer private Kleidung verkauft, zahlt in Deutschland in der Regel keine Einkommensteuer auf den Erlös — solange es sich um echten Privatverkauf handelt und kein gewerblicher Handel vorliegt. Bei sehr hohem Volumen oder regelmäßigem Einkauf zum Weiterverkauf lohnt sich eine Rückfrage beim Steuerberater. Für gelegentliches Ausmisten ist das jedoch kein Thema.
Secondhand Shopping und Verkauf ist keine Nische mehr — es ist ein realer Markt, der wächst. Wer dabei mitmacht, profitiert nicht nur finanziell, sondern leistet nebenbei einen kleinen Beitrag zu einem nachhaltigeren Umgang mit Kleidung. Und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger.
Häufige Fragen (FAQ)
Häufige Fragen
- Wo kann ich gebrauchte Kleidung am besten online verkaufen?
- Für den höchsten Erlös empfiehlt sich Vinted – die Plattform erhebt keine Verkäuferprovisionen. Wer weniger Zeit investieren möchte, ist mit Ankaufsdiensten wie Momox Fashion oder Sellpy besser beraten, akzeptiert dafür aber einen deutlich niedrigeren Auszahlungsbetrag.
- Was ist der Unterschied zwischen Ankaufsportalen und Marktplätzen?
- Auf Marktplätzen wie Vinted oder eBay Kleinanzeigen stellst du selbst ein, setzt den Preis und verschickst die Ware – und behältst den Großteil des Erlöses. Ankaufsportale wie Momox oder Sellpy übernehmen den gesamten Verkaufsprozess für dich, zahlen dafür aber deutlich weniger aus.
- Wie viel Provision nehmen Portale wie Sellpy oder Momox?
- Sellpy behält je nach Kategorie rund 40–60 % des Verkaufserlöses. Momox bietet Fixpreise, die oft bei 10–20 % des ursprünglichen Kaufpreises liegen. Auf Vinted zahlt der Verkäufer keine Provision – stattdessen trägt die Käuferseite eine Schutzgebühr von etwa 5 % plus 0,70 Euro.
- Muss ich beim Verkauf von Second Hand Kleidung Steuern zahlen?
- Bei gelegentlichem privatem Verkauf eigener Kleidung fällt in Deutschland in der Regel keine Einkommensteuer an. Wer Kleidung gezielt zum Weiterverkauf einkauft oder sehr regelmäßig in großen Mengen verkauft, sollte prüfen, ob gewerbliche Steuerpflicht entsteht – im Zweifel hilft eine kurze Rückfrage beim Steuerberater.
- Welche Kleidung lässt sich online am schnellsten verkaufen?
- Gut erhaltene Markenkleidung in gängigen Größen verkauft sich am schnellsten – besonders Jeans, Jacken und Sportswear von bekannten Labels. Wichtig sind klare Fotos, vollständige Größenangaben und ein realistischer Preis. Saisonale Stücke zum richtigen Zeitpunkt einzustellen erhöht die Verkaufschancen deutlich.



